Den Kampf verloren
04.06.2010
Party machen kann anstrengend sein und einem das Allerletzte abverlangen. Aber wer im ELEVEN feiert ist hart im nehmen und geht auch mal an seine physische und psychische Leistungsgrenzen. So ist es auch neulich unserem Freund R.S. aus S. ergangen:
Die Party war mal wieder ausgelassen und motivierend. Wie gewöhnlich war R.S. aus S. ebenfalls sehr motiviert zum Feiern. Wie immer eigentlich. Selbstverständlich feierte er mit ein paar ebenfalls sehr motivierten Kumpels und so kam es wie es kommen musste. Die Nacht wurde feuchtfröhlich, es wurden dutzende Holländer und Russkys gekillt (nein, kein Völkermord sondern Heineken und Russian Standard Vodka). Die Sinne und der Bezug zur Realität wurde mit jedem Heini weiter vernebelt.
Aber Halt, Stopp - die Notbremse wurde rechtzeitig gezogen und so machten sich die Jungs, wie es sich gehört, zu Fuss auf den Heimweg. Für die Strecke ELEVEN - S. brauchten sie ungefähr zweieinhalb mal solange wie gewohnt. Aber das ist bei einem Zickzack-Kurs auch leicht nachvollziehbar. In S. verabschiedete sich R.S. von seinen tollen Kumpels, die ihn sicher bis vor die Haustüre geleitet hatten. Nun war er ganz auf sich allein gestellt. Und wer schon mal ein leichtes bis mittelstarkes Rauschen auf dem Sender hatte, der weiss, dass die kleinste Herausforderung, wie z.B. das Schlüsselloch treffen, zu einer beinahe unlösbaren Herausforderung werden kann. Aber R.S. aus S. meisterte diese Herausforderung bravourös. Nun stand er im Treppenhaus und musste nur noch 3 lächerliche Stockwerke schaffen. Den Lift wollte er nicht nehmen. Zuviel Technik, zuviele Knöpfe zuviel Pannenpotential, sagte ihm eine Logik tief aus dem Unterbewusstsein heraus. Körperliche Betätigung und Treppensteigen hilft eh beim Abbau von Promille. Dank seinen flüssigen Russky-Freunden fühlte er sich unüberwindbar und stark. So ein Treppenhaus ist ein Kinderspiel, wäre doch gelacht, wenn er das nicht mehr schaffen würde. Gesagt, getan. Im ersten Stock, war R.S. total aus der Puste, das Herz pochte wie wild, irgendwie hatte es wohl doch mehr Stufen als er dachte. Und steil war die Treppe - mein Gott! Den Kampf in den 2. Stock hinauf gewann er auch noch - aber ganz knapp. Auf dem Zwischenboden hatte er kalte Schweissausbrüche und stand kurz vor dem Kollaps - aber so schnell gab er nicht auf, wäre doch gelacht, wenn er die 3. Etage nicht mehr schaffen würde. Mit seiner letzten Energie und dank dem Treppengeländer schleppte sich R.S. aus S. hinauf. Bäuchlings kam er auf seiner Etage an. Eher liegend schaffte er es sogar noch die Wohnungstür aufzuschliessen. Fix und fertig und in leicht angetrunkenem Zustand beschloss er als rational denkender Mensch, weil er ja schon mal lag, gleich im Treppenhaus die Hose auszuziehen. Stehen konnte er ja eh nicht mehr. Den Kampf mit seiner Hose gewann er nicht mehr. Irgendwann kapitulierte er vor der schier unlösbaren Aufgabe die Hose über die Schuhe auszuziehen. Ist ja auch menschlich. Man muss ja nicht immer als Sieger im Kampf mit einer Hose hervorgehen. "Man kann ja auch mal die Hose gewinnen lassen"! Das waren seine letzten Gedanken bevor ihn der Schlaf übermannte.
Am nächsten Morgen oder besser gesagt Mittag erwachte R.S. aus S. mit furchtbaren Kopf- und Gliederschmerzen. Kein Wunder nach so einer durchzechten Nacht und wenn man mit der Hose in den Knien im Treppenhaus übernachtet. Gott sei Dank hüllen sich Bewohner der 4. bis 6. Etage in respektvolles Schweigen. So wird R.S. aus S. nie erfahren, wieviele Bewohner am Samstag morgen über ihn hinübersteigen mussten, als sie sich auf den Weg zur Arbeit, Märet oder Kindergarten machten.
Was ist die Moral der Geschichte? (übrigens, bereits meine Oma hat das immer gesagt): "Gehe nie ohne frische Unterhose aus dem Haus"!