Für die Götter
23.07.2010
Hi Partipipel
Ich sitze noch immer am Strand von Bali. Bali - auch die Götterinsel genannt. Götterinsel, das kann man laut sagen. Die Religion begleitet einem auf Schritt und Tritt. Der Hinduismus ist eine herrliche Religion. In Bali leben über 90% Hindus. Das ist etwas ganz Spezielles im sonst muslimischen Indonesien. Der Hinduismus ist eine ganz feine Sache. Die Menschen hier in Bali sind bedeutend freundlicher als sonst wo auf einer Ferieninsel. Der Hinduismus ist sehr stark von Riten und Ritualen geprägt. Auf der Götterinsel Bali soll es über 20'000 Tempel geben. Und ob es ihr glaubt oder nicht - alle diese Tempel werden aktiv besucht. Die Balinesen sind sehr stark mit ihren Göttern und der Natur verbunden. Täglich bringen sie den Göttern Opfergaben in kleinen Schälchen die man Canang nennt. Egal welchen Göttern sie die Opfer darbringen, sei es nun Brahma, Shiva oder Vishnu, sie machen ist mit Hingabe. Ist das Opfer erbracht, dann ist für sie die Sache erledigt.
Die Opfergaben in den Schälchen bestehen meist aus Blumen, Reis, Keksen und Geld. Diese Schälchen stehen vor jeder Haustür, auf der Strasse am Strand… einfach überall. Man kommt nicht drumherum mal auf eines versehentlich draufzustehen. Aber das macht nichts. Denn das Opfer wurde ja erbracht und ist somit erledigt. Das ist nicht wie bei uns. Bei uns würde man ausrasten, würde ich versehentlich auf einen Trauerkranz oder ein Hochzeitsbouquet draufstehen. Das sind ja nur vergänglich Sachen, da sollte man nicht gleich die Nerven verlieren. Was mich aber am meisten wundert ist, dass die Leute hier Geld in die Opferschälchen tun. Mindestens 500 oder 1000 Rupiah. Das entspricht zwar nur 5 oder 10 Rappen. Aber im Verhältnis zu einem durchschnittlichen Monatslohn von 100 Franken…!!!
Für die Hindus ist das OK so - aber für mich als nüchterner Bünzli und vor allem als SCHWEIZER komme da gleich ins Rechnen:
Es gibt auf unserer Mutter Erde ungefähr 900 Millionen Hindus. Das macht dann täglich ca. 90 Millionen Franken, die da irgendwo auf der Strasse oder im Meer liegenbleiben. Täglich!! Die nimmt auch keiner - die gehören schliesslich den Göttern. Die Kekse oder den Reis holen sich die Hunde, Mäuse, Vögel, Ratten - aber Geld kann man schliesslich nicht essen.
Ich glaube mit 90 Millionen Franken täglich könnten alle Hindu-Kinder in die Schule gehen. Selten habe ich so glückliche Kinder wie hier in Bali gesehen. Und man merke: Geld ist notwenig zum Leben. Und selbst wenn man nicht viel hat, dann kann man es immer noch teilen und sei es nur mit den Göttern.
